Der King of Rap ist wieder da und mit ihm ein brandneues Album, eine groß angekündigte Tour und ein paar ungewöhnliche Features. Im Interview mit "zeitgeistmagazin" erklärt Kool Savas das neue Album, sein kommendes Album mit Xavier Naidoo und seine Einstellung zum älter werden. Aber lest selbst!

ZGM: Hey Savas, das wichtigste vorne weg: Wie geht es dir?

Savas : Eigentlich ganz gut. Ich sitze wieder im Auto, wie immer.

ZGM: Und wohin geht es diesmal, was steht da an?

Savas : Nach Berlin…Och da stehen private Dinge an(lacht). Endlich mal was anderes.

ZGM: Ein bisschen Freizeit schadet ja nicht.

Savas : Na ja von Freizeit kann ja nicht die Rede sein. Ich routiere die ganze Zeit eigentlich. Seit Monaten gibt es keine echte Freizeit mehr. Also für mich ist Freizeit nicht wenn du kurz frei hast zum atmen sondern wenn du sagen kannst :“Ey jetzt wartet nicht irgendwas morgen“. Ich meine es ist wie Wochenende. Der Sonntag ist eigentlich nicht mehr entspannt, weil man ärgert sich Sonntag schon das man Montag arbeiten muss aber wenn du ein Projekt hast das dich Non-Stop auf Trab hält,  dann gibt es keine Freizeit auch wenn du mal einen Tag zu Hause bist, bringt es dir gar nichts. 

ZGM: Du bist jetzt aber schon erleichtert und freust dich langsam aber sicher auf die Tour?

Savas : Ganz ehrlich, jetzt gerade würde ich lieber entspannen als unbedingt auf Tour gehen. Im Januar werde ich natürlich wieder motivierter sein. Aber ich weiß schon wenn ich mir nicht 3 Wochen irgendwie Auszeit gönne und irgendwo hinfahre und irgendwas mache worauf ich Bock hab und ein bisschen PlayStation zocke oder so dann könnte meine Laune nicht auf dem Höhepunkt sein.

ZGM: Aber das will ja keiner und wir hoffen das du dir da die Auszeit auch nehmen kannst.  Aber um dann auch auf dein Album zu kommen : Du hast nicht wirklich viel Welle in Form von Liedern und Videos gemacht, hast du vielleicht Angst, dass das Ganze untergeht?

Savas : (Entsetzt) Glaubst du wirklich das ich keine Welle gemacht habe? 

ZGM: Nicht wie man es vielleicht gewöhnt ist in Form von Liedern und Videos…

Savas: Ich meine das zeigt einfach wie Selbstbewusst wir das diesmal angegangen sind. Also alle waren der Meinung: „Wir brauchen das Video 2 Monate vorher“ aber ich hab gesagt, das ist mir diesmal egal. 1. Weiß ich das ich eine gute Fanbase habe und 2. Bin ich so von dem Album überzeugt das jeder der das hört es auch seinen Freunden weiterempfehlen wird und das wird dann schon abgehen. Wir haben das ja jetzt gesehen mit der Single die vielleicht Top 20 geht und das ganz ohne Video! Das hat keiner meiner Konkurrenten geschafft. Und es ist nur ein Download! Das ist für mich ja auch schon ein großes Ding.

ZGM: Du sagst ja selber schon das das vielleicht mehr Welle schlägt als du gedacht hast, träumt man da nicht schon mal von der 1 für das Album?

Savas : Die 1? Nein auf keinen Fall! Denn die Konkurrenz ist so riesig. Ich meine ein Release in den Sommermonaten ist immer einfacherer als in den Monaten danach so September, Oktober, November. Diese 3 Monate, da trennt sich die Spreu vom Weizen. Und sagen wir mal ich würde auf Platz 10 gehen, im November, dann ist das wie eine Nummer 1 im Sommer. Zum Beispiel „23“ haben jetzt in der ersten Woche, lass mich nicht lügen, ich glaube 25.000 verkauft. Im Sommer wären sie mit der Hälfte, also 12.000  auf die 1 gegangen. Und deswegen lege ich es weder drauf an noch wünsche ich es mir zu sehr auf die 1 zu gehen.  Es macht mein Album nicht besser oder schlechter.

ZGM: Da hast du vollkommen Recht, so ein Album sollte ja vor allem um Technik und Texte gehen und da hat man jetzt öfter davon gelesen das die bei dir persönlicher und intimer geworden sind.  Was steckt dahinter?

Savas : Ja ich glaube es ist so, dass ich mich da noch fertiger gemacht hab‘. Noch mehr weggestrichen, noch mehr umgeschrieben und bestimmt auch Sachen angesprochen die man von mir jetzt so nicht kennt. Da ist auch irgendwie ein Teil meiner Geschichte erzählt. Ich habe einen Song der sich um Vergänglichkeit dreht und da sieht man auch den Unterschied. Ich kann nicht sagen ob es besser oder schlechter ist und ich stehe hinter „Tot und lebendig“ genauso wie hinter allem anderen von früher auch. Aber „Aura“ reiht sich einfach ein in diese besondere Reihenfolge von Solo-Alben.

ZGM: Du sprichst es schon an: Es gibt eine gewisse Veränderung. Gab es da einen Punkt an dem du dich bewusst für diesen Weg entschieden hast?

Savas : Ach da gab es eigentlich keinen genauen Punkt, keinen besonderen Wechsel oder so. Ich glaube einfach, dass die Zeit gekommen ist. Man könnte sagen, dass die Zeit reif war und wahrscheinlich bin ich mit 36 an dem Punkt angelangt das ich nicht mehr irgendwie großartig was anderes sagen musste und über Dinge sprechen konnte die mich betreffen. Und ich sage das auch ganz klar: Es ist ein Album von mir für mich. 

ZGM: Gab es denn trotzdem Rapper die dich da inspiriert haben?

Savas : In der Weise eigentlich nicht. Es gibt bestimmte Alben wie das erste „NAS“-Album, das klingt halt für mich einfach wie Hip-Hop, von vorne bis hinten. Und es fühlt sich auch so an. Da inspiriert mich auch das Ganze. Aber als ernst zu nehmender Künstler, kannst du auch einfach nie irgendwas machen was ein Anderer schon gemacht und das will ich auch niemals! Man kann sich motivieren lassen, aber mehr wäre auch falsch. Ich will ja auch auf mich hören und nicht auf irgendwen anders.

ZGM: Zur Inspiration gibt es natürlich auch immer eine Kehrtwende. Gibt es da für dich manche Rapper die keine „Daseins-Berechtigung“ besitzen?  Irgendein Battle das für dich mal wieder ansteht?

Savas : Also nein ich will da keine Battles heraufbeschwören, weil dann würde ich mich ja automatisch auf eine Stufe stellen wie derjenige. Manche Leute sagen das ein Teil von diesen Gangster-Rapperrn auch keine „Daseins-Berechtigung“ hat, dass diese Gangster-Rapper technisch nicht gut genug rappen und ich kann das auch ein bisschen nachvollziehen. Aber wer entscheidet denn darüber wer eine Daseins-Berechtigung hat und wer nicht? Solange jemand mit seinem Scheiß Leute erreicht soll er machen!

ZGM: Also du sagst schon, man kann anderen Leuten nicht vorschreiben was sie machen sollen. Aber auch du kamst ja aus dieser „Gangster-Rap-Schiene“ wenn ich das so nennen darf, hast dich jetzt weiterentwickelt kündigst aber andererseits wieder an, auf deiner Tour den „Jam“-Flavour rüberzubringen. Gehören dazu vielleicht auch ein paar nicht einstudierte Freestyle-Battle?

Savas : Mhm also da bin ich ganz vorsichtig. Wenn das irgendwer mitfilmt und das im Netz landet dann habe ich nichts davon. Aus Spaß würde ich ohne Kamera battlen, aber mit irgendwem auf einem Konzert das bringt’s nicht. Entweder er verliert und alle so „ja war doch klar“, oder aber er gewinnt und es kommt so „ah Savas hats eh nicht drauf“ rüber, weißte was ich mein? Ich brauche mir da auch nicht mehr zu beweisen.

ZGM: Du sagst ohne Kamera battlen mit ein paar Freunden würde immer gehen. Was hast du denn sonst so getrieben wenn gerade mal kein Song durch deine Feder floss?

Savas : Wenn ich mal nichts zu tun hatte oder eine Schreibblockade hatte, dann habe ich mich einfach hingesetzt und Videos geguckt. Es gibt viele Serien die ganz nice sind, so wie Spartacus und solche Dinger. Zwischendurch auch mal ein Film. Und von diesen Geschichten habe ich mich dann auch inspirieren lassen, weil jemand der Geschichten erzählen soll ,sollte natürlich auch mal andere Geschichten gehört haben. Und dann war ich noch vier Tage im Urlaub, einfach mal einen Tapetenwechsel.

ZGM: Wohin ging es da in den Urlaub?

Savas : Nach Tasmanien!

ZGM: Sonst gibt es noch ein paar Leserfragen. Leo Kamphausen fragt : Was ist bei dir zuerst da, der Flow oder der Beat?

Savas : Der Beat. Also ich probiere dann erst mal ein bisschen Gemurmel ohne jeglichen Sinn.Wie ein Musiker, der eine Melodie sucht, der einfach so anfängt rumzuklimpern. Ist wie ein Soundcheck irgendwie. Dann fang ich an zu schreiben und wenn es mich immer noch fesselt dann fang ich an es aufzunehmen. Und wenn es mir dann auch noch gefällt dann wird überlegt ob es gut genug für das Album ist.

ZGM: Die nächste Frage dreht sich dann um deine Vergangenheit. Was ist mit Eko passiert, hast du sein neues Album gehört?

Savas : (Zögert kurz)Also für mich ist das Thema abgeschlossen und möchte deswegen auch nichts darüber sagen. Ich habe vor „Urteil“ gesagt das ich jetzt was sagen und das dann aber auch endgültig ist und ich mich eigentlich nicht mehr damit befasse.

ZGM: Ok klar das verstehen wir. Themawechsel. Wie kam es dann zu Features wie Xavier Naidoo, mit dem du ja nächstes Jahr ein Album rausbringst oder auch deinem Vater?

Savas : Also mit Xavier war sowieso klar, weil wir ja nächstes Jahr ein neues Album rausbringen. Dann wollten wir natürlich schon vorher was rausbringen sozusagen als Übergang zu diesem gemeinsamen Projekt.

Verbindung ist unterbrochen..

Savas : Hey sorry auf der Autobahn hat man manchmal keinen Empfang. Also wo waren wir stehen geblieben? Ach ja. Und zum anderen mein Vater weil er das Gedicht, was er „einsingt“ für mich damals im Knast geschrieben hat. Sonst feier ich den Scala Chor auch persönlich und wollte mal ein Feature das in die experimentelle Richtung geht. Ich wollte aber gleichzeitig auch was machen, was anders klingt.

ZGM: Du sprichst es schon an, das neue Album mit Xavier Naidoo. Wie kam es zu der Zusammenarbeit, wie habt ihr euch kennengelernt? Habt ihr da irgendwo die gleiche Einstellung oder vielleicht den gleichen Manager gehabt?

Savas: Nein wir haben nicht den gleichen Manager(lacht), wir sind befreundet. Wir machen gerne Musik miteinander. Wir verstehen uns gegenseitig und lassen uns gegenseitig inspirieren. Und die Einstellung stimmt auch. Wir sind beide Independent, wir haben das gleiche Gefühl für Business und sind musikalisch definitiv kompatibel.

ZGM: Oke wir bedanken uns herzlich für den Einblick in deine Welt und für deine Zeit.

Savas : Ich habe zu danken.

Interview: Nils Wischmeyer